BiKom-biologische Kommunikationspsychologie - Die Wirkung des biologischen Abwehrmodus - RS Akademie

 

BiKom - biologische Kommunikations-Psychologie

4.0 Die Wirkung des
biologischen Abwehrmodus (BA)

Was geschieht mit uns im biologischen Abwehrmodus (BA)?

 

Eine sehr wichtige Frage!

Denn wir müssen erst einmal verstehen welchen enormen Einfluss unsere Biologie tatsächlich auf uns hat, um uns selbst helfen zu können.

 

Zur Beantwortung dieser Frage sind einige Informationen über unsere biologischen Mechanismen nötig. Die wichtigste Funktion im Gesamtkomplex des biologischen Abwehrmodus (BA) ist das vegetative Nervensystem (VNS), vor allem die Nervenbahnen des Sympathikus (Sympathicus).

 

Solange wir uns wohlfühlen, ist das Verhältnis im vegetativen Nervensystem (VNS) ausgeglichen. Aber sobald wir in den biologischen Abwehrmodus (BA) rutschen, übernimmt der Sympathikus die Kontrolle.

 

Dabei gibt es zwei Varianten: im Kampfmodus und Fluchtmodus sind wir auf Maximalleistung eingestellt. Hingegen beim Erstarren geschieht genau das Gegenteil. Es wird uns fast alles an Energie geraubt, so dass wir entweder sofort in Ohnmacht fallen oder uns fast gar nicht mehr bewegen können. Wir erstarren förmlich, die Atmung wird flach und leise, unsere Muskulatur ist kraftlos, alles läuft wie in Zeitlupe ab.

 

Der Sinn des Erstarrens ist, dass ein Raubtier einen nicht wahrnimmt oder sogar glaubt, wir seien tot, also Aas, das viele Raubtiere nicht fressen.

 

Die Körperveränderungen im sympathicotonen Zustand, die Physiologie:

(bitte ignoriere hier einfach die Fachbegriffe, am Ende wird es leicht verständlich in einem Satz erklärt).

 

Es wird Acetylcholin als präsynaptischer Rezeptor und Noradrenalin (nicht Adrenalin!) als postsynaptischer Neurotransmitter ausgeschüttet. Das Nicht-Adrenalin (Noradrenalin) wird über α- und β-Adrenozeptoren vermittelt, ausgenommen die Schweißdrüsen.

 

Das Herz wird chronotrop, dromotrop, inotrop, bathmotrop, lusitrop.

Sprichwort: vor Angst rutscht ihm das Herz in die Hose.

Die Blutgefäße werden vasokonstriktiv, tonisierend.

Sprichwort: kreidebleich, blass vor Angst.

Die Bronchien werden dilatierend, verminderte, flüssige Schleimsekretion.

Sprichwort: da stockte ihm der Atem.

Beim Gastrointestinaltrakt haben wir verminderte Drüsensekretion, verminderte Peristaltik.

Sprichwort: vor lauter Angst bekommt er keinen Bissen mehr herunter, hat es ihm den Appetit verschlagen.

Bei der Harnblase haben wir Kontraktion des Musculus sphincter urethrae, Erschlaffung des Musculus detrusor vesicae.

Sprichwort: sich vor Angst in die Hose machen.

(Bei Welpen können wir diese Reaktion manchmal wahrnehmen)

Beim Auge Dilatation des Musculus sphincter pupillae, Dilatation des Musculus ciliaris mit verminderter Akkommodation.

Sprichwort: er bekommt große Augen, reißt die Augen auf vor Angst.

Bei den Schweißdrüsen vermehrte Schweißsekretion.

Sprichwort: Angstschweiß auf der Stirn.

 

In einem Satz:

 

„Wir haben somit das Herz in der Hose und sind kreidebleich vor Angst, dass wir keinen Bissen mehr herunterbekommen, die Augen aufreißen und Angstschweiß auf der Stirn.“;

 

Das sind die körperlichen Reaktionen bis hin, sich die Hose zu nässen.

 

Sehr unangenehm wäre es jedoch, wenn unser Vorgesetzter uns vor dem gesamten Team bloßstellen würde und wir uns vor Angst in die Hosen machen würden, oder in Ohnmacht fallen würden.

 

Wesentlich wichtiger für uns und unser Kommunikationsverhalten sind die psychischen Symptome während des sympathicotonen Zustands. Diese sind:

 

Zwangsdenken, Gewohnheitshandlung, Problemdenken, eingeschränkte Denkfähigkeit, innerliche Aufruhr, Scheuklappen, geistig stecken geblieben u.v.m.

 

Das bedeutet, im sympathicotonen Zustand kann ein Mensch kaum noch klar denken, kann einem also auch nicht folgen, versteht nur undeutlich, was wir ihm zu verstehen geben wollen oder ist so sehr mit seiner Angst beschäftigt, dass er am liebsten nur davon laufen würde oder uns auf die Nase schlagen möchte.

 

Kommt Dir das evtl. irgendwie bekannt vor?

 

Denn genauso geht es auch uns, wenn wir im biologischen Abwehrmodus gefangen sind. Als Beispiel: wie oft haben wir schon gelesen, dass Menschen bei einer mündlichen Prüfung fast alles vergessen haben oder manche nicht einmal mehr ihr Geburtsdatum wiedergeben konnten, dass einem selbst die einfachsten und sicher bekannten Dinge unter solchen Umständen nicht einfallen.

 

Diese biologische Abwehrmodus (BA) Kontrolle ist leider schon bei einer geringen Auslöseschwelle gegeben. Das bedeutet, wenn wir uns während eines Gesprächs nur leicht aufregen, ist unsere Denkleistung schon eingeschränkt, und je mehr wir uns aufregen, desto weniger können wir einen klaren Gedanken fassen.

 

Wir verfallen in Gewohnheitshandlungen und Denkmuster, die uns das souveräne, sinnvolle, angriffsfreie und wohlwollende Kommunizieren immer weiter erschweren.

 

Wenn wir also einen Chef, Mitarbeiter, Partner oder ein Kind haben, bei dem wir das Gefühl haben, er bzw. es hört uns nicht richtig zu oder versteht überhaupt nicht, was wir ihm sagen, wobei er bei anderen Menschen ganz anders eher normal ist, dann ist er in Bezug auf unsere Person im biologischen Abwehrmodus (BA).

 

Das wiederum bedeutet, dass diese Person uns, unser Verhalten, als eine Art Bedrohung oder Gefahr für sich und sein Überleben eingestuft hat.

 

Etwas überzogen dargestellt:

Wir bedrohen ihn mit unserer bloßen Anwesenheit, bedrohen sein Leben, wir sind für diese Person eine Gefahr, ein Raubtier, das sich gleich über ihn hermachen wird.

 

So empfindet dieser Mensch uns gegenüber in diesem Moment – unabhängig davon, wie wir es sehen oder empfinden. Solange wir dieser Person nicht die Angst vor uns nehmen können, wird sie sich immer abwehrend oder abwesend uns gegenüber in solchen Momenten verhalten.

 

Diese wichtige Erkenntnis gilt es, bei jeder Interaktion mit anderen zu bedenken.

 

Ein Mensch kann somit den biologischen Abwehrmodus (BA) bei einem anderen aktivieren, z.B. nur durch seine Anwesenheit und noch viel mehr durch seine Art der Interaktion oder Kommunikation.

 

So geht es vielen Menschen, egal ob Vorgesetzten, Mitarbeitern, Kindern oder Paaren. Sie haben, in solchen unangenehmen Situationen, regelrecht Angst vor dem anderen.

 

Diese Angst kann in Wut oder Ärger münden, oder in Flucht und Ablehnung, je nachdem wie wir unsere Chancen dem Anderen gegenüber einschätzen.

 

Das ist die Sprache des Körpers und seiner Biologie, auch wenn Menschen intellektuell versuchen, das zu unterdrücken oder es sich schön zu reden, es funktioniert nicht. Vor allem Eltern wollen es nicht wahrhaben, dass Kinder in diesen Momenten tatsächlich Angst vor ihnen haben.

 

Auch kann ein bestimmtes Umfeld den BA bei einer Person auslösen. Als Beispiel der Zahnarzt. Nur der Gedanke an den Termin oder das Wartezimmer genügt vielen schon. Genauso Gerichtssäle, Polizei, Anwälte, Spritzen, Spinnen, Prüfungsräume usw.

 

Da wir nun die psychischen Reaktionen kennen, wissen wir, warum es keinen Sinn macht, mit jemandem der im biologischen Abwehrmodus (BA) gefangen ist noch weiter zu reden oder zu verhandeln, bevor er diesen Modus nicht verlässt.

 

Dieser Mensch ist z.B. schon längst im Flucht- oder Erstarrungsmodus und versteht gar nicht mehr, was wir eigentlich von ihm wollen oder um was es geht. Er kann kaum noch klar denken und ist in seinen Gewohnheitshandlungen, Denkmustern und unguten Kommunikationsmethoden gefangen.

 

Er wird wie immer schwindeln oder etwas leugnen, das Gegenteil behaupten, beleidigt sein, zurück schreien, toben oder ähnliches; alles, was er in diesem Moment jedes Mal tut, wenn er sich bedrängt, bedroht oder unwohl fühlt, ohne dass er sich darüber tatsächlich bewusst ist, dass er das tut.

 

Wir erreichen mit unserem oft unguten Verhalten, ohne die Wirkung der Biologie auf die Kommunikation zu berücksichtigen, immer nur das, was wir meistens in solchen Situationen erreichen.

 

Egal, wie oft wir diese unguten teilweise destruktiven Vorgehensweisen wiederholen, in der Hoffnung, dass der andere es aufgrund der ständigen Wiederholung oder Verstärkung unserer Attacken endlich lernen wird, werden wir nicht die gewünschte Veränderungen, Verbesserung oder Einsicht erzielen, solange wir die Wirkung der Kommunikation nicht mit berücksichtigen.

 

Teilweise verschärfen und steigern viele auch noch ihr unfreundliches und destruktives Vorgehen dieser Person oder diesem Kind gegenüber in der Hoffnung, je härter, desto wirkungsvoller.

 

Der Andere wird nichts ändern, weil in diesem biologischen Ausnahmezustand kein dazulernen möglich ist. Er wird es das nächste Mal wieder so machen, weil auch das ein biologisches Programm ist, für das er keine Alternative erlernt hat, und mit unserem Verhalten, wie anschreien, ausgrenzen, beleidigt sein, ermahnen, drohen oder Sanktionen werden wir ihm auch nicht helfen, etwas zu verändern.

 

So, wie wir in solchen Situationen nichts lernen, weil wir in solchen Momenten selbst so tief im biologischen Abwehrmodus (BA) stecken, dass wir unser ungutes, unfreundliches, teilweise unverschämtes, verletzendes Vorgehen gar nicht mehr bemerken und getrieben von der Biologie auch ständig dasselbe ungute Vorgehen anwenden.

 

Keinem ist mit solchen Vorgehensweisen geholfen: uns nicht und dem Anderen auch nicht.

 

Wir sollten diese unvorteilhaften Kommunikationsmethoden ablegen, sonst kommen wir keinen Schritt weiter.

 


Inhalt BiKom:

1.0 Einleitung

2.0 Unsere Biologie hat die Kontrolle

3.0 Der biologische Abwehrmodus (BA)

4.0 Die Wirkung des biologischen Abwehrmodus (BA)

5.0 Wie wirkt Kommunikation?

6.0 Angriffsfrei kommunizieren!